Geschichte der Blaubeurer Hammerschmiede

Im Jahre 1804 hat der Huf- und Waffenschmied Abraham Friedrich die Genehmigung für eine Hammerschmiede mit Schleiferei von der Stadt Blaubeuren erhalten.Die Hammerschmiede wurde bis 1889 in ihrer ursprünglichen Art betrieben. Anschließend wurde sie in eine mechanische Werkstatt umgestaltet, die bis 1956 funktionstüchtig war. Danach war das Blautopfhaus nur noch ein Abstellraum für die Stadt Blaubeuren.

Anfang der 60iger Jahre hat man sich auf die Tradition des Blautopfhauses besonnen und war der Ansicht, diese wieder attraktiv zu machen. Auf der Suche nach einer Hammerschmiede fand man in Bad Oberdorf ( Allgäu ) die geeignete Einrichtung.

Nach dem Ausbau des Blautopfhauses wurde die Hammerschmiede in 2jähriger mühevoller Arbeit eingebaut. Seit Mitte der 60iger Jahre kann sie in ihrer ursprünglichen Funktion wieder besichtigt werden.

Funktion der Hammerschmiede

Das Wasserrad wird durch den Abfluss des Blautopfes in Bewegung gesetzt. Dieses treibt über ein Getriebe den Wellbaum an. Das Wasser, welches über einen Kanal in das untere Drittel des Wasserrades strömt, wird durch einen Schieber, der vom Inneren der Werkstatt bedient werden kann, gesteuert. Schieber ( Schütze ) weit auf – viel Wasser. Schieber ( Schütze ) wenig auf – wenig Wasser. Dadurch wird die Schlagzahl der Hämmer geregelt. Es handelt sich hier um ein unterschlächtiges Wasserrad. Der Wellbaum ist ein massiver Eichenstamm mit 70 cm Durchmesser. Auf ihm sind die so genannten Daumenkränze mit den Daumen oder Fröschen angebracht. Die Daumen drücken beim Umlauf des Wellbaumes auf das Schwanzende des Hammers, heben ihn hoch und durch sein Eigengewicht fällt er wieder herunter. Diese Bewegung nutzt man zum Schmieden. Weil der Daumen auf den Schwanz drückt, wird der Hammer Schwanzhammer genannt. Der Stiel des Hammers ist der Helm und der Eisenbrocken vorne der Bär.

In der Blaubeurer Hammerschmiede sind drei verschiedene Hämmer vorhanden. Der vordere Hammer hat ein Bärgewicht von 100 kg – der Mittlere 120 kg – der hintere 100 kg.

Am letzteren Hammer wird heute noch geschmiedet. Jeder Hammer hatte eine bestimmte Aufgabe:

Der Mittlere ( 120 kg ) war ein Langsamläufer und nur zum Vorschmieden gedacht. Die zwei äußeren Hämmer, welche bis zu 100 Schläge in der Minute erreichten, benutze man zum Fertigschmieden. Es ist immer nur ein Hammer in Betrieb, da sie unterschiedliche Schlagzahlen haben und das Gestell und die Doggen zur gleichen Zeit laufende Hämmer nicht aushalten würden. Ein anderer Punkt ist die Unfallgefahr. Da die Hämmer sehr nahe beieinander sind, konnten sich die Schmiede an den glühenden Werkstücken leicht verbrennen oder verletzen. Zum Herstellen der Werkzeuge benötigte man zwei Arbeitskräfte: Eine Person am Feuer, die andere hatte darauf zu achten, dass der Hammer in Betrieb war, wenn das glühende Werkstück zum Schmieden kam.

In der Blaubeurer Hammerschmiede wurden hauptsächlich Pflugscharen, Ketten, Äxte, Beile, Schaufeln, Spaten, Sensen, Sicheln, Haken, Flößerwerkzeug, Waldarbeiterwerkzeug und Waffen hergestellt.

Die Krankheiten der Hammerschmiede waren:

Schlechte Augen, Gehörschäden, angegriffene Bronchien und Lungen sowie Gelenkschäden. Allerdings sind die Leute im Alter nicht mit dem Siechtum verfallen, denn die Lebenserwartung war zwischen 48 und 53 Jahre. Die Arbeitszeit der damaligen Hammerschmiede begann morgens um 4 Uhr bis abends 20 Uhr – 6 Tage die Woche.Die Hammerwerksbesitzer, die wohlhabend waren, nannte man die ,,Schwarzen Grafen’’. Erstaunlich ist, dass die Schwanzhämmer erst im Mittelalter erfunden wurden, circa 1488, wenn man bedenkt, dass der Schmiedeberuf schon viele Jahrhunderte älter war. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit Schwanzhämmern gearbeitet. Diese wurden dann von den Dampf-, danach Feder- und den heutigen Lufthämmern abgelöst. An diesen Schmiedehämmern ist nur ein Schmied beschäftigt.

Vor der Erfindung der Schwanzhämmer war das Schmieden eine sehr mühevolle Arbeit. Es wurde nur von Hand geschmiedet. Die Schmiede bekamen die so genannten Eisenluppen und mussten sie mit Vorschlaghämmern zu Stäben und Blechen ausschmieden. Wenn 3-4 Schmiede sehr gut waren, konnten sie am Tag zwischen 9-13 Sensen herstellen. Unter dem Schwanzhammer wurden bis zu 70 Sensen geschmiedet. Ein Zuschläger benötigte sehr viel Kraft und Ausdauer, denn ein Vorschlaghammer wog damals bis zu 15 kg. Oft wurden auch die Lehrbuben zu diesen Arbeiten herangezogen.

So machte mit der Zeit der Spruch:

,, Alles wollte der Teufel sein, nur kein Schmiedelehrling ’’, seine Runde.

Wenn wir in der Siegfriedsage lesen, dass er einen Amboss entzwei geschlagen hat, ist dies durchaus möglich. Die damaligen Ambosse bestanden aus dem gleichen unreinen Eisen wie die Werkzeuge und Produkte. Es war also durchaus denkbar, dass bei einem gewaltigen Schlag ein Horn abbrach.

Im Mittelalter lebten die Schmiede in der menschlichen Gesellschaft wie jeder andere Handwerkszweig auch. Da der Schmied am offenen Feuer arbeitete, war er eine ständige Gefahr für das Dorf oder die Stadt. Brannte dem Schmied sein Haus, war es meist um die ganze Ansiedlung geschehen. Also beschlossen die Ältesten, den Schmied aus dem Dorf oder der Stadt zu verweisen, obwohl dies einer der wichtigsten Berufe war. So entstanden die Waldschmieden.

Der Schmied nutzte seine Vorteile so gut es ging. Der Köhler lieferte ihm die Holzkohle. Mit dieser und einem Blasebalg brachte der Schmied die Hitze zustande, welche erforderlich war, um das Eisen zu schmieden. Zusätzlich siedelten sich die Schmiede mit Vorliebe an Fahrstraßen und Kreuzungen an, denn dort kamen Postkutschen, Fuhrwerke, Reiter und Fußvolk vorbei, was zusätzlich Aufträge bedeutete, z.B. Hufbeschlag, Reparaturen an den Fahrzeugen, ferner konnten noch Speis und Trank sowie eventuell Übernachtungen angeboten werden.  Außerdem suchte sich der Schmied einen dicken Eichenbaum von circa 60-80cm Durchmesser. Dieser wurde in Höhe von circa 50-60 cm abgesägt, darauf der Amboss gestellt und drum herum baute man die Schmiede. Der Grund war, eine gute Auflage und Verankerung für den Amboss. Mit Erfindung der Schwanzhämmer waren die Werkstätten für die Schmiede nicht mehr interessant und sie zogen ans Wasser um diese Kraft für ihr Handwerk zu nutzen. Die Waldschmieden waren dann meist nur noch Herbergen. Es siedelten sich dort vielleicht noch andere Menschen an, so dass ein Dorf oder mit der Zeit eine Stadt entstand. Von mancher Ansiedlung ist der eigentliche Urheber ein Schmied. Darum haben manche Städte oft noch im  Wappen einen Hammer, Nagel oder ein anderes Schmiedewerkzeug, die auf die   Entstehung hindeuten. Unter den Schwanzhämmern konnten jetzt die Eisenluppen schneller und besser ausgeschmiedet werden. Das Eisen wurde zu Stäben geschmiedet, diese miteinander feuerverschweißt und wieder ausgeschmiedet. Jetzt konnte man das erste Mal von Stahl sprechen. Dies war eine Revolution in der Eisen- bzw. Stahlherstellung. Dieses Material konnte viel besser gehärtet werden, so dass die Standzeit der Werkzeuge und Waffen wesentlich höher war.

Mit der Zeit spezialisierten sich die Hammerwerke. Die einen stellten nur Stäbe und Bleche her und belieferten diejenigen, welche die Produkte fertig stellten. So verdienten die ,,Hammerherren’’ oder die ,, schwarzen Grafen ’’ enorme Summen. Aus solchen Hammerschmieden entstanden zum Teil Großbetriebe wie zum Beispiel die Firma Krupp in Essen.

Das Zunftwesen der Schmiede, welches sehr streng organisiert war, sah die Entwicklung der Hammerschmieden nicht mit frohem Herzen. War es doch die Vorstufe des Industriealters, das den Zünften mit der Zeit den Garaus machte. Heute gibt es die Hammerschmiede in ihrer damaligen Funktion schon lange nicht mehr. Beim Besuch eines Hammerwerkes ( z.B. Blaubeuren ) sehen wir mit Ehrfurcht und Staunen was unsere Vorfahren mit einfachen Mitteln zustandegebracht haben. Man darf hier nicht vergessen, dass die Hammerschmieden ein neues Zeitalter eingeläutet haben. Ohne sie wären wir mit Sicherheit nicht auf dem heutigen Stand der Technik


Historisches Museum

Wer über die Türschwelle der Hammerschmiede schreitet, tritt förmlich in ein anderes Jahrhundert: Authentisch ist eine historische Schmiedewerkstatt dargestellt, in der über viele Jahre Eisen geschlagen und Werkzeug hergestellt wurde.

Eintrittspreise Museum

Geöffnet von Palmsonntag bis 1. November, täglich 9-18 Uhr

Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt.
Erwachsene (ab 16 Jahren) 1,50 EUR
Kinder (ab 6 Jahren) 1,00 EUR
Familienkarte (bis 5 Personen) 5,00 EUR
Gruppen (ab 20 Personen)  
Erwachsene (ab 16 Jahren) 0,80 EUR / Person
Kinder (ab 6 Jahren) 0,50 EUR / Person